Geschichte der Höfinger Orgeln

Orgelpfeifen

40-jähriges Jubiläum der Weigle-Orgel am 29. Juni 2014


Gehen wir 250 Jahre in der Geschichte der Höfinger Kirche zurück. Das Kirchengebäude war damals viel kleiner. Die Nord- und Südwand standen etwa 2 m weiter innen und die Decke war nicht so hoch. An 3 Seiten des schmalen Kirchenschiffs war eine Holzempore angebracht. Hier vorne stand der alte gotische Taufstein, hinten in der Ecke ein Kohleofen.

Der gotische Chor, der leider beim Umbau 1931 zusammenstürzte, war das Schmuckstück der Kirche. Und da hinein war in etwa 2 m Höhe eine Empore eingebaut worden, um später dort eine kleine Orgel aufstellen zu können.

In den Kirchenbüchern ist schon 1740 die Absicht erwähnt, eine Orgel anzuschaffen. Die Gemeindeglieder wurden damals zu einem freiwilligen Beitrag aufgerufen. Wegen der harten und teuren Zeit war aber die Spendenaktion nicht nach Wunsch ausgefallen. Die Orgelsache wurde auf bessere Zeiten verschoben.

Bald kam wieder der Wunsch nach einer Orgel auf. Eine gebrauchte Orgel aus Liebenzell hätten die Höfinger günstig übernehmen können. Aber nur magere 80 Gulden kamen zusammen, denn die Bürgerschaft wollte keine alte, sondern eine ganz neue Orgel haben.


1767 machte Pfarrer Rumpel (1750-1780 in Höfingen, Nr. 11 auf der Pfarrtafel) Nägel mit Köpfen. Ernsthaft sollte jetzt die Aufstellung einer Orgel ins Auge gefasst werden. Man wünschte, dass die Kirche mit einem Orgelwerk geziert und dadurch der Gesang in eine bessere Richtung geleitet würde.

Die Frage war aber wieder, woher das Geld nehmen. Anträge an das Oberamt und an das herzogliche Konsistorium wurden gestellt. Sämtliche Kirchen- und Gemeinderäte (Richter und Commun-Deputierte) waren dafür und es wurden 300 Gulden aus der Pferch-Kasse gegeben und Spenden von 100 Gulden kamen noch dazu.

1772 konnte der Orgelbauer Johan Georg Späth aus Faurndau bei Göppingen beauftragt werden, eine Orgel mit 10 Registern auf der Empore im Chorraum aufzubauen. Leider verdeckte die Orgel weitgehend die Chorfenster, so dass der Kirchenraum dunkel und düster wirkte.


Zu was braucht man in der Kirche eine Orgel?
Die Orgel ist ein Schmuckstück für eine Kirche, aber auch ein Instrument, das den Gemeindegesang begleiten, ihn stützen und leiten soll.

Folgende Bemerkungen über den Kirchengesang sind in den Pfarrberichten zu finden:
Der Pfarrer gibt sich Mühe, auf die Forderung eines sanften, feierlichen und harmonischen Gesangs hinzuwirken.
Die Mahnung an die Gemeinde, sich vom wüsten Geschrei abbringen zu lassen, wird meist nur kurze Zeit beachtet.
Einige Jahre später konnte aber erfreulicherweise festgestellt werden, dass der Kirchengesang jetzt anständig sei.
Eine Notiz von1890 vermerkt:
Der Kirchengesang, der vordem einen ziemlich niederen Stand hatte, was zum Teil mit der schlechten Orgel zusammenhängen mag, hat sich durch die Einwirkung des neuen, gesangstüchtigen Lehrers etwas gehoben.


Diese erste Orgel auf der Empore im Chorraum diente also 120 Jahre dem gottesdienstlichen Gesang der Gemeinde, zuletzt war sie aber nur noch notdürftig gebrauchsfähig. An ihrer Stelle musste 1892 eine neue Orgel angeschafft werden. Sie wurde vom Orgelbaumeister Karl Weigle aus Echterdingen erstellt. Sie hatte 12 Register, 2 Manuale und Pedal. Da die Gemeinde mit ganzer Kraft mitgewirkt hatte, war die Finanzierung möglich geworden.
Übrigens: 1917 mussten aus dieser Orgel die großen Zinnpfeifen herausgenommen und für Kriegszwecke zum Einschmelzen abgegeben werden.

Beim großen Umbau und Vergrößerung der Kirche 1931/32 wurde die Orgel abgebaut und die Orgelempore entfernt, bevor der Chor einstürzte. Die Orgel wurde wieder im neuen Chorraum, aber diesmal auf dem Boden in etwas veränderter Form aufgebaut, so dass die Chorfenster besser sichtbar waren.


Nach über 80 Jahren hatten sich auch an der 2. Orgel Mängel ergeben. Der Holzwurm hatte kräftig gearbeitet und die Holzpfeifen waren kaum mehr stimmbar.
(Blasebalg, Stromausfälle in den 50-iger Jahren)

Weil eine Gemeinde eine Orgel fast ganz finanzieren muss, war die Kostenfrage wieder der zentrale Punkt vieler Diskussionen. Eine große Orgel mit einem schönen Prospekt ist natürlich toll, aber ist das Geld nicht an anderer Stelle nötiger? Sollte eine Pfeifenorgel oder doch eine billigere elektronische Orgel angeschafft werden? Eine knappe Mehrheit im KGR entschied sich – glücklicherweise – für eine Pfeifenorgel, Kosten 70.000 DM. Im Juni 1974, also vor 40 Jahren, wurde die 3. Orgel, gebaut von der Orgelbaufirma Friedrich Weigle aus Echterdingen mit 13 Registern auf 2 Manualen und Pedal (962 Pfeifen) eingeweiht.

Eine gute Entscheidung war auch, die Orgel aus dem Chorraum heraus in den Kirchenraum zu stellen. Dadurch kommt der Chorraum mit den 1982 eingebauten Glasfenstern voll zur Geltung und die Orgel und die singende Gemeinde bilden eine gute Einheit.

Man könnte heute sagen: Die Gemeinde ist singfreudig, der Gesang gut und festlich, die Gemeinde ist offen für neue Lieder und passt sich dem Spieltempo der jeweiligen Organisten flexibel an. Wir haben ein sehr dickes Gesangbuch. Welche Lieder (alte oder neue) sind bei den Gottesdienstbesuchern bekannt? Ist der Gesang nicht manchmal etwas dünn? Die Orgel hat in der Kirchenmusik Konkurrenz bekommen. Nicht nur die Königin der Instrumente allein erklingt zum Lob Gottes in der Kirche, sondern auch Gitarre, Schlagzeug, Keyboard und Klavier und viele andere Instrumente.

Wenn in der Kirche eine Orgel steht, sollte sie auch gespielt werden. Es wäre interessant zu wissen, wer die ersten Orgelspieler hier waren. Wahrscheinlich Lehrer, ein musikalisches Gemeindeglied oder vielleicht auch manchmal der Pfarrer.

Organisten seit 1945:

Albert Widmaier bis etwa 1955 /Pfarrer Müller
Marianne Mehlisch, (Hermann) 1955 – 60
Marianne Steger  1960 – 2000
Theo Krafft         ab 1963
Ulrich Baldauf      seit 2000
Volker Krafft        bis 2003
Burgel Wankmüller

Theo Krafft


Quellen:
"450 J. Evangelische Kirchengemeinde Höfingen (1535 – 1985)", Alfons Schlichtenmayer , S. 32,78 ff.
"Die Orgelmacher im ehem. Herzogtum Württemberg", Gotthilf Kleemann, S. 202